| 108 Beiträge - Larp-Junkie
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Da es eine sehr ähnliche Diskussion gerade erst im Inlarp-Forum gab, zitiere ich mein Posting daraus mal nur, ich würd sonst eh genau das gleiche nochmal schreiben:
Zitat Ich habe DKWDDK und Punktespiel ausprobiert und bevorzuge definitiv Punkteregelwerke.
Den Aufstiegskram finde ich dabei relativ irrelevant, von mir aus kann man auch mit einem Magiermeister anfangen ... allerdings hält es wahrscheinlich so einige Anfänger davon ab, sich Alleskönner-Charaktere zu basteln (als Anfänger kommt einem ja schonmal der Gedanke, dass man leichter "reinkommt", wenn man alles kann, was praktisch ist).
Diesen von Alex genannten Punkt finde ich dabei wichtig:
Zitat Das wichtigste an dem Einsatz (wohl gemerkt, nur dem Einsatz) von Fähigkeiten ist ein gemeinsamer Konsens. Wenn ich und mein Gegenüber das gleiche erwarten und verstehen, ist alles super. Bei DKWDDK wird einfach die Erwartungshaltung durch pure Laune des Gegenübers + Unsicherheit ersetzt. Und das finde ich nicht unbedingt optimal. |
Die zwei Regeln werden sicher funktionieren. Aber daraus ergibt sich ein bestimmter Spielstil, der nicht jedem gefallen muss.
Als Beispiel: Manche mögen es, wenn Magie vollkommen unberechenbar ist, andere spielen lieber in einem Setting, in der Magie in einem bestimmten Rahmen kontrollierbar ist. Das sind einfach zwei unterschiedliche Magievorstellungen. Ich mag letztere sehr gern, die Zwei Regeln sind zur Umsetzung eines entsprechenden Settings aber nicht geeignet - wenn es festgelegt ist, dass jeder auf meine Zauberdarstellung reagieren soll, wie es ihm gerade einfällt, ist die Darstellung von Kontrolle über Magie nicht möglich.
Bei einem Punktecon lese ich vorher das Regelwerk und kann mir überlegen: Reicht mir die dort geforderte Mindestdarstellung aus (bzw. das, was ich weiß, was auf solchen Cons üblich ist - bei DSys sind ja z.B. als Wurfkomponenten für Kampfzauber eher Stoffsäckchen als Softbälle zu erwarten)? Und wenn nicht, kann ich mich entscheiden, zu Hause zu bleiben oder mit geringen Erwartungen hinzugehen und mitzuspielen, auch wenn einen die Darstellung nicht begeistert. Natürlich kann es vorkommen, dass die Orga vollkommen abstrusen Unsinn zugelassen hat, der mit dem Regelwerk nichts mehr zu tun hat - dass der Con nicht zutreffend ausgeschrieben ist, kann einem aber auch auf DKWDDK-Cons passieren. Ja, ich war auf einem "DWKDDK"-Con, wo die NSCs (ungerüstete menschliche Gegner) 10-15 satte Bidenhänder-Treffer locker wegsteckten ... dass Cons falsch "etikettiert" werden, ist unabhängig von der Etikettaufschrift.
Bei meinen Charakteren habe ich eine bestimmte Vorstellung, wie sie wirken sollen und wozu sie fähig sind. Meine Heilmagierin z.B. ist sicher nicht allmächtig, aber ich möchte schon eine fähige Feldscherin darstellen. Reicht nun einem Großteil der Patienten meine Wundbehandlungs-Darstellung nicht aus, wirke ich eher wie eine Anfängerin oder Scharlatanin. Das bietet sicher Spielpotential, ist aber nicht das, was ich darstellen möchte, ich wäre also enttäuscht.
Auch, wenn ich mir große Mühe mit der Darstellung gebe, weiß ich ja nicht, wo die Untergrenze dessen liegt, was mein Mitspieler als gelungene Darstellung (in diesem Fall: einer erfolgreichen Wundbehandlung) akzeptiert.
Bei Magie ist das natürlich noch schwieriger: Auch, wenn ich eine schöne 5-Minuten-Show biete mit Spezialeffekten, großen Gesten und Worten und was mir noch einfällt, möglicherweise empfindet mein Mitspieler stundenlange Rituale als das Minimum - das Spiel funktioniert dann, auch wenn der Zauber wenig oder nur Ansätze von Wirkung zeigt; mein OT-Ziel, einen erfolgreichen und fähigen Magier darzustellen, wäre in diesem Falle aber wieder nicht erreicht.
Und hier ist auch der Punkt, wo ein Anfänger stolpern könnte: Er hat eine bestimmte Vorstellung, was er darstellen möchte, und weiß nicht, ob seine Darstellung ausreicht. Wenn den Mitspielern die Darstellung gut gefällt, hat er Glück, halten sie diese aber für unzureichend, wird die Reaktion möglicherweise Frust erzeugen, v.a., wenn sie auf "Wir nehmen die Person IT nicht ernst" hinausläuft. Bei einem Punktecon kann man auch in Fettnäpfchen treten, aber man kann sich zumindest ungefähr orientieren, was wohl gewünscht ist und was nicht und welche Darstellung wahrscheinlich akzeptiert wird.
Beispiel: Der Neuling möchte einen Feuerball werfen. Im DSys ist klar: Die Formel sprechen, Bällchen werfen (ja, im Regelwerk steht Wasserbombe ... aber dass nach veralteten Regelwerken gespielt wird, ist ja noch ein anderes Problem). Wird vielleicht nicht als Super-Feuerball empfunden, aber er kann sich recht sicher sein, dass es akzeptiert wird. Das gibt Sicherheit, daran kann man sich festhalten.
Nach DKWDDK weiß man nicht: Ist ein roter Softball zu wenig? Vermutlich. Ein rot-gelbes Bällchen mit Fransen hinten dran? Ein geschnitzter und gelatexter Schaumstoff-Feuerball? Ein leuchtender rot-gelb blinkender Silikonball in Flammenform? Reicht gar nichts von dem?
"Tu irgendwas, egal was" ist so unkonkret; für jemanden, der überhaupt keine Ahnung hat, welche Optionen "irgendwas" beinhaltet, ist das keine Hilfe, weil es keine konkreten Vorschläge beinhaltet. Vor allem, wenn man Angst hat, etwas falsch zu machen, und die haben nunmal (verständlicherweise) viele Anfänger.
Bei DKWDDK-Kämpfen weiß ich nie, was für Kämpfe mein Kampfpartner erwartet. Soll ich versuchen, realistisch zu kämpfen, Schläge der meisten Waffen auf Platte ignorieren, beim ersten Hellebardentreffer aber sofort röchelnd umfallen? Oder lieber cinematisch - und was ist das nun, 2 Minuten Kampf und beim ersten satten Treffer umfallen oder 30 Minuten Duell? Beim Punkteregelwerk weiß ich: Kämpf irgendwie, Hauptsache du fällst nach X Schlägen um. Das wird nicht jedesmal optimal sein, passt aber meistens wenigstens ungefähr.
DKWDDK funktioniert nicht, wenn einem eine feste Reaktion auf bestimmte Aktionen wichtig ist. Das kann und will es nicht leisten. Nun könnte man argumentieren, warum feste Reaktionen auf bestimmte Aktionen ohnehin doof, schlecht fürs Rollenspiel oder der Untergang des Larp ( ) sind, aber Fakt ist, dass manche Leute es mögen. Ich z.B. fühle mich wohler damit. Vielleicht bin ich ein Kontrollfreak, der unsicher wird, wenn er die Reaktion auf Handlungen nicht vorhersagen kann - keine Ahnung, aber ich kann mit einem Grundgerüst von Regeln entspannter spielen, weil ich einschätzen kann, woran ich gemessen werde, was ich für eine bestimmte Wirkung tun muss und auch, was ich von meinen Mitspielern zu erwarten habe.
Natürlich verlocken Punkteregelwerke zu so manchem Unsinn, natürlich ist sklavisches Festhalten am Regelwerk manchmal schädlich (ich bevorzuge es, das RW als Grundgerüst zu benutzen - ein Freund von mir nennt das "punktegestütztes DKWDDK"), natürlich gibt es Schwachstellen.
Ich möchte nur verdeutlichen, dass DKWDDK nicht für jeden das optimale Regelsystem ist, auch nicht für jeden, dem Darstellung sehr wichtig ist. Und dass es für Anfänger eine Schwierigkeit darstellen kann.
Außerdem aktualisiere ich so gerne Charakterbögen |
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