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Surja ist offline Surja  
Die Farben (Auswahl)
353 Beiträge - Alter Hase
Surja`s alternatives Ego
Blau
• Herkunft der Bezeichnung „blau machen“: ursprünglich „Blauer Montag“ als arbeitsfreier Tag der Handwerksgesellen seit 16. Jahrhundert (Sonntagskleidung, die von des Gesellen an diesen Tagen getragen wurde war blau <> ursprünglich fielen diese Gesellentreffen auf die Fastenzeit, während derer an verschiedenen Orten Blau als Kirchenfarbe üblich war) (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 38 ff)
• Leuchtendes Blau > auf den Krönungsmänteln französischer Könige Zeichen weltlicher Macht (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 141)
• Dunkles Schwarzblau: Trauer, Farbe der Hörigen, Unfreien und Bauern (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 141); Spielte eine große Rolle für die Arbeitskleidung, da indigogefärbte Stoffe als sehr farbecht und robust galten. Demnach kamen sie den Bedürfnissen einer Alltagstracht entgegen (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 148) und hat sich bis heute in den sogenannten „Blaumännern“, blauen Overalls der Mechaniker und einiger Handwerker.
• Mischung von Waid und Indigo > alle gewünschten blauen Farbnuancen möglich > begehrte Modefarbe; Zwischenstufen technisch bereits im 15. Jahrhundert in Italien herstellbar, aber erst in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts unter Ludwig XIV. In der Mode ausgeschöpft (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 141)


Bauern
• „Grauer Leibrock“: feststehender Begriff für Alltagskleidung der Hörigen, Unfreien, Armen und Bauern; ansonsten noch Brauntöne ungefärbter Leinen – und Wergstoffe erlaubt (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 39)
• Reformation > „Gemeiner Mann“ wird Mitstreiter der neuen Glaubenslehre > Feiertagskleidung in Blau und Rot; Frauen tendieren zu starken Farbkontrasten (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 39)

Grau und Braun
• Natürliche Faserstoffe: Farbskala weiß, grau, braun bis schwarz > Umwelt: Abgestorbenes (Pflanzen), Anpassung an die Erde zwecks Tarnung (Tiere) > Bedeutung dieser „Nicht-Farben“ für den mittelalterliche Mensch: „Leblosgewordenen, Sichauflösenden, Unkonturierten, Trüben“ > „weit ab vom Zentrum des klar konturierten, farbenreichen Lebens (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 83)
• Beide Farben stehen von der Antike bis zum 14. Jahrhundert für die „Arbeitenden, die Landbevölkerung und später auch für Diener, Mägde und Aussätzige“ > untere Stände streben nach farbiger Kleidung („Färbeprozess wird bis ins Spätmittelalter nach orientalisch – antiker Tradition der Alchemie als ‚belebend’, als Kräfte verleihend empfunden.“) > Kleiderverordnungen verbieten den niederen Ständen nicht nur das Privileg der Farbigkeit, sondern auch „einen für sie erlebbaren wirksamen Schutz“. (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 86)
• Auch Trauerfarbe (wenn schwarze Kleidung aufgrund der aufwendigen Herstellung nicht erschwinglich war) (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 86)
• „Dem Christen ist das farbige Kleid Ausdruck irdischer Eitelkeit, womit der gefallene Mensch seine eigene Glanzlosigkeit zu ersetzen sucht, der wahre Christ trägt darum keine gefärbten Kleider.“ > Einwände gegen farbige Kleidung mit der Begründung, dies „könne nicht Gottes Wille sein, da er sonst purpurrote oder strahlblaue Schafe geschaffen hätte.“ Demnach sei die „künstliche Farbigkeit eine teuflische Verfälschung der Natur.“ Aber auch im Islam droht der Prophet „mit Strafe im Jenseits, wenn auf Erden Luxus entfaltet werden.“ (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 86)
• Diverse reformatorische Religionsbewegungen im 15. Jahrhundert veranlassen die streng gläubigen Christen in Mitteleuropa freiwillig die Farben der Armen zu tragen. Dies hält 100 Jahre an, wonach die Lust an Farbigkeit stärker denn je auftritt. (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 87)

Weiß
• Weiß reflektiert das komplette Licht > nur für Menschen „ohne Makel“ geeignet, „Verbindung mit dem Auferstehungsgedanken“ -> Farbe, die „nichts von Sterblichkeit in sich trägt“ (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 90)
• Ab 13. Jahrhundert: Farbe der Engel, Bekenner und Jungfrauen; heutiges Überbleibsel: Vorrecht des Papstes, einen weißen Talar zu tragen, Festkleidung für Taufe, Erstkommunion, Firmung und Hochzeit sowie das Totenhemd (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 92 ff)
• „Im Mittelalter war es Sitte, Kinder bis zum 7. Lebensjahr in Weiß zu kleiden. Einfältige trugen diese Farbe ihr ganzes Leben lang.“ > Zeichen der Unschuld (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 93)
• In 16. Jahrhundert gilt Weiß mit Gold als Zeichen besonderen Luxus. (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 93)
• Elisabeth I. erhob Weiß zum Ideal einer „romantischen Jungfrauenschaft“ > trotz der Vorliebe dunkler Farben am Spanischen Hof wurde Weiß zum Zeichen jungfräulichen Eheschlusses für Mädchen der unteren Stände (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 93)
• Renaissancemode: Seide durch Schwefeln bleichen + Aufhellung durch aufwendiges „Bläueverfahren“ > teuer (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 97)

Gelb:
• Gelb, besonders ins Gold gehendes, war im Europa des Spätmittelalters eine sehr geschätzte Festfarbe. (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 109)
• Kleiderordnungen verboten allen außer Fürsten und ihren Familien luxuriöse Goldstoffe. Doch wie üblich wurde dies i.d.R. nicht eingehalten. (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 109)
• Bewunderung für alles Glänzende > zusätzlich Besatz mit Edelsteinen (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 109)
• Blasses, fahles Gelb: Negative Bedeutung
o Seit 13. Jahrhundert Vorschrift für außerhalb der Gesellschaft lebender Randgruppen: Kennzeichnung (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 109)
o Juden in Deutschland: ab 1180 gelbe Spitzhüte, ab 1530 gelber Stoffring auf Kleidung
o Gelber Schleier oder gelber Kleiderbesatz für Dirnen
o Parallel: Zeichen für Eleganz und Luxus, safrangefärbte Schleier zu tragen(vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 109)

Rot – Purpur - Violett:
• „Zu allen Zeiten war die Farbe des Purpurs mit der Idee königlicher Souveränität und weltlicher Macht verknüpft.“ (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 112)
• Schneckenpurpur: Skala von dunklem Violett bis bläulichem Karminrot; Kostbarkeit und Farbechtheit > „hochgeschätzt und teuer bezahlt“ (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 112)
• Konstantinische Schenkung: eine auf den Namen Constantin I., dem Großen, ausgestellte Urkunde aus dem 8./9. Jahrhundert > angebliche Übertragung von Rom und der Westhälfte des Römischen Reiches an die römische Kirche; im 15. Jahrhundert Fälschung nachgewiesen (vgl. Digel und Kwiatkowski 1981, S. 122) > ab Mitte des 11. Jahrhunderts beriefen sich die Päpste darauf > zusammen mit der weltlichen Macht ging das Anrecht auf Purpur auf das Papstamt über (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 114)
• 1464: Durch Papst Paul II. Wurde die Schneckenfärbung der Kardinalgewänder durch Kermes ersetzt (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 114)
• Besonders die „Mitträger der Königswürde“ (Kurfürsten, Hofbeamte und Dienerschaft) waren an leuchtend roten Kleidern erkennbar. (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 114)
• Ende des Spätmittelalters > soziale Umschichtung >Doktoren wurden Rittern gleichgestellt > durften wie Adlige rote Schauben tragen (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 115)
• 15. Jahrhundert: Rot in Italien als schönste Farbe gepriesen, mit der Begründung, sie könne sich mit dem Feuer und dem Rubin messen. > angemessen für junge Leute, Richter und „Personen von Stand“ (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 120)
• 16. Jahrhundert: Deutsche Patrizierinnen bevorzugten Karmesintöne, obwohl diese teuren Färbungen allen außer dem hohen Adel verboten waren (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 120)
• 16. – 18. Jahrhundert: Rot als Farbe für Hochzeits – und Tanztrachten in den Städten und noch mehr auf dem Land stark verbreitet (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 121)

Grün:
• Herold Sicile (1458): Farbe der Wiesen, des Frühlings > angemessen für junge Leute, verlobte Mädchen und frischverheiratete Frauen. (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 152)
• 16. Jahrhundert: mehrere Jahrhunderte dauernde Tradition beginnt, bei der Jagd Grün zu tragen, Adlige wie ihre „Jagdbediensteten“ (Ausnahme in der königlichen Jagdfarbe: England mit seinem Rot) (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 152)

Schwarz:
• 2. Hälfte des 15 Jahrhunderts (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 163):
o Im Bürgertum „wegen seiner Einfachheit“ von den unteren Ständen geschätzt
o Adel und Königshäuser als Vorbild
• Düstere Farben + Gold -, Silber – und Edelsteinschmuck > „Strenge und Würde“ (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 163)
• Italien: Renaissance und Humanismus > „dem einzelnen Menschen als faber mundi die schöpferischen Fähigkeiten zuerkennt“ > anfangs werde die leuchtenden Farben von allen (die es sich leisten können) nach Herzenslust ausprobiert, verlieren dann aber „allmählich ihre Wirkung“. (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 164)
• Schwarze Kleidung > Kontrast zum hellen Teint > auf „seine Persönlichkeit, auf seine Eigenheiten aufmerksam“ machen (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 164)
• Aufwendige Rezepte, um tiefes Schwarz gefärbt zu bekommen (u.a. Vitriol, Erlenrinde, Gallapfel [kleine Wespeneier auf Eichenblättern > zeitraubendes Sammeln]; 24 Tage pro Färbevorgang) > Kostbarkeit (vgl. Nixdorff und Müller 1983; S. 164)




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Beitrag vom 28.03.2007 - 20:46
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