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Forenübersicht » Con-Kalender » Rezensionen & Reviews » Review Bestienjäger 4 (28.12.2012 - 01.01.2013)

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15 Beiträge in diesem Thema (offen)
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Marina ist offline Marina  
144 Beiträge - Larp-Junkie
Marina`s alternatives Ego
Zum ersten Mal überhaupt in meinen 8 Jahren in der Larpwelt habe ich auf einem Con auf Fort Gorgast teilgenommen und mit "der Berliner LARP-Szene" gespielt.

Gespielt habe ich dort die Zuckerbäckerin (und Stadtkind) Sari, deren Ziel auf dem Con lediglich war, soviel Reibach wie möglich zu machen, Soldaten haben ja bekanntlich immer Hunger, damit sie als reiche Gaunerin das Land wieder verlassen kann. Weder ist sie mutig, noch hat sie jemals für irgendwas gekämpft. OT habe ich mir das Konzept für den Bestienjäger sehr offen gelassen für jeden Einfluss durch Plot und Spieler, weil ich keine Ahnung hatte, was mich dort erwarten wird.

Dazu kommt noch, dass ich krank/angeschlagen auf den Con gefahren bin und die ganze Zeit über kaum bis keine Stimme mehr hatte. Besonders die Stimmlosigkeit hat mich maßlos geärgert, da ich in der Rolle viel rede, pöbel, rufe und beleidige. Mit kaputter Stimme gibt es keine Intonation und auch die Beleidigungen wirken irgendwie lieblos.

Orga/SL Es ist vermessen zu erwarten, dass man immer und überall eine SL findet bei einem so weitläufigen Gelände. Allerdings hat mich grade bei dieser Weitläufigkeit gewundert, dass augenscheinlich keine Funken verwendet wurden. Vielleicht habe ich sie auch einfach übersehen, vermisste aber niemals Koordination oder Flexibilität. Zugegeben, ich bin kein Plotjäger und hatte bei allen Aktionen vermutlich die Präsenz der SL nicht so "nötig" wie andere. Vielleicht bin ich da aber auch einfach gelassener und geduldiger.
Die SL und Orga war immer freundlich, ständig in Bewegung, sehr hilfsbereit und hat jedes gegebene Versprechen gehalten.

Location und Unterbringung: Positiv überraschend. Das Fort habe ich mir weitaus heruntergekommener vorgestellt. Die Unterbringung in der Kasematte neben der Taverne war auf den ersten Blick unschön, da Lärm und Zigarettenrauch von der Taverne sich dort auch verteilten, aber es war windgeschützt, temperaturstabil und nicht feuchter, als man es nicht von einem alten Fort erwarten könnte. Man weiß, worauf man sich einlässt, wenn man nur einmal kurz auf der Homepage des Forts klickt. Wer trotzdem noch schimpft, ist selbst schuld.

Die Taverne als mein Haupt-Spielbereich war ambientig eingerichtet, von Spielern dekoriert und als düsterer Raum (durch abgehängte Fenster) immer mit Kerzen erhellt. Ich habe keinen großen Anspruch ans Ambiente, wenn die Tische nicht aus Plastik, die Wände nicht voller OT-Kram hängen und kein elektrisches Licht herrscht. Zwar habe ich mich nicht wie in einem Kloster gefühlt, mehr wie in einer Trutzburg, wo die Verfechter des Guten ihr Hauptquartier hatten, was die Fahnen und Wappen an den Wänden unterstreichten.

Ausgeleuchtet wurden die Gänge allerorts mit Teelichtern an und in den Wänden - hervorragend!

Sanitäre Anlagen: Bißchen mau, aber die Orga kann ja keine weiteren Duschen herbeizaubern. Hier und da ein Dixi wäre nicht falsch gewesen, aber kein wirkliches Muss. Unglücklich war allerdings, dass es kein Licht in den Duschen gab. Ich weiß nicht, wo hier der Defekt lag, und hatte mir stattdessen Lampen mit in den Duschraum genommen. Geht alles. Bin schließlich auf einem Con und nicht auf einer Wellnessveranstaltung. Für die paar Tage kann ich da auch Abstriche machen.

Preis: Absolut im Rahmen. 120,- Euro für 5 Tage Con auf einem riesigen Gelände mit glaubwürdig ausgestatteten NSCs und einem Festbankett am Silvesterabend das sich mal sowas von gewaschen hat.

Plot: Im Einstieg ein kuscheliges Anreise-Bedrohungsszenario in den Katakomben von Fort Gorgast. Dadurch, dass ich nur wenige Mitspieler kannte, hatte ich den Eindruck, dass da nun ein Haufen Wichtigtuer vorne den ganzen Spaß haben und wir mit Nichtstun bestraft wurden. Ich hatte aber eine kindliche Freude daran, dass "Wände" von der Orga durch Kartons dargestellt wurden. Dadurch waren sie flexibel auf- und abbaubar, jederzeit verschiebbar und konnten einstürzen. Wunderbare Idee! Das Brechen der "Stützbalken" und dem immer drohenden Einsturz der Gewölbe gaben der Szene mehr Tempo und eine harmlose Herdenpanik. Die Kampfszenen später draußen im Hof mit nie enden wollenden Wellen von Fieslingen, besessenen Mitabenteurern und hoffnungslosen hingemetzeltwerden war schaurig und verwirrend! Die anschließende Aufklärung vertrieb ein paar Fragezeichen über den Kopf. Ich als Neuling in der bespielten Welt war noch sehr irritiert, bis ich mir die benötigten Infos zusammengefragt hatte.

Tatsächlich schien es so, als ob der Plot erst zum Sonnenuntergang "losging" (gefühlt um 15 Uhr), da die Teilnehmer nach meinem Empfinden erst gegen 11 Uhr aus den Federn fielen und das Frühstück dementsprechend stets bis ca. 13 Uhr dauerte. Dann wurden kleinere und größere Aktionen in Angriff genommen.

Zunächst empfand ich die Kämpfe im Dunkeln - besonders im Wald - als unangenehm gefährlich, kann das aber nur von Außen beurteilen. Die große Schlacht war am Gebäude ausreichend ausgeleuchtet und die Schatten gaben den herannahenden Feinden ein düsteres Setting.

Absoluter Höhepunkt für mich war der gescripptete Tod des Abt Victor. Ich habe noch nie um einen gestorbenen Charakter geweint, schon gar nicht für einen, den ich erst wenige Tage kannte und erst recht nicht heulend wie ein Schloßhund! Das war krass. Das, und die Verletzten und Toten durch die Attentate in der Nacht durch die Nachtschattenelfen haben eine größere Bedrohung für mich entstehen lassen, als das Weltuntergangsszenario zuvor. Der Gang zu den Latrinen war für mich als fast-nachtblinden Menschen ein intensiver Nervenkitzel.

Ich habe mich sehr über die Möglichkeiten der Schatzsuche und Plünderung in den Katakomben für die Gauner (hier: Piraten) gefreut, die auch ausgiebig genutzt wurden.

NSCs: unermüdlich. Egal in welcher Rolle, sie gaben sich mit jeder Darstellung enorm viel Mühe. Danke an jeden NSC, der einen Schuss aus den Peng-Pistolen als Kugelschuss ausgespielt haben! Ich habe mich jedes Mal wie ein Schneekönig gefreut glücklich
Die Klosterbewohner waren angemessen dargestellt und waren nach anfänglicher Skepsis gegenüber den Abenteurer-Horden sehr hilfbereit und spielfördernd.
Eine super Idee und ambienteschaffender Zeitvertreib war das Spiel "Untoter" (bekannt auch als "Werwolf") von NSC-Ambienterollen am Abend/in der Nacht. Ich habe mich jedes Mal köstlich amüsiert, auch wenn die betreffenden Personen mich nur ein einziges Mal mit haben dazuholen können.

Ein Barde hat mir sehr gefehlt, bei fast jeder Gelegenheit. An den Abenden in der Taverne, beim Maskenball und beim Bankett. Eine Gitarre und ein guter Gitarrenspieler, bestenfalls mit einer guten Gesangsstimme und ein paar hübschen LARP-Liedern im Petto. Das wäre die Kirsche auf der Sahne gewesen!

Verpflegung: Als Selbstverpfleger-Con wurde für 50,- Euro eine optionale Vollverpflegung angeboten, einzelne Gerichte konnten ebenfalls geordert werden. Die Preise waren zum Selbstkostenpreis für den Tavernenbetreiber, der jeden Tag köstliche Gerichte zauberte und uns dann am Silversterabend mit einem imens großartigen Buffet verwöhnte. Absolut top!

SCs: Wie das nunmal so ist, kommt man auf einem Con nicht mit jedem ins Spiel. So hatte auch ich mit den Leuten mehr oder weniger zu tun, stieß aber bei jeder Interaktion auf Spielangebot. Es fiel mir als Außenstehende bis zum Ende schwer zu erkennen, welche Fraktionen es gab und wer zu welcher gehörte. Erst tief in der letzten Nacht habe ich das Gefühl gehabt da irgendwie durchzublicken.
Ich war erstaunt, wie gut sich die SCs untereinander von ihren Obrigkeiten koordinieren ließen und freute mich über das Engagement der Leute innerhalb der großen Schlacht.

Danke an alle, die mein Spielangebot einer Zuckerbäckerin mit ihren Süßwaren angenommen haben. Ich hatte eigentlich noch viel mehr Süßzeug geplant, aber kurz vor der Con dann verworfen. So empfand ich mein Angebot aber als ausreichend, auch wenn ich mehr Rumkugeln hätte machen sollenzwinkern

Fazit: Einer der intensivsten und emotionalsten Cons für mich. Ich bin rundum zufrieden, lediglich der oben genannte Barde und das Licht in den Duschräumen haben mir wirklich gefehlt. Ja, ich habe keine hohen Erwartungen an einen Con, zumal ein Con überwiegend von den anderen Teilnehmern geprägt wird. Und wer keine Erwartungen hat, der kann auch nicht enttäuscht werdenzwinkern

Meine Highlights waren
- ganz zuoberst die Trauer um Abt Victor. Ich hätte nie gedacht, dass ich wie ein Kind um einen (gespielten) Toten weinen könnte. Krasse Erfahrung.
- der Überfall hinterrücks in die Schlachtreihe der Feinde mit einem fiesen Schuss ins Gesicht des ausgewählten verwirrten Opfers
- die Altar-Plünderung mit der Crew, der anschließenden Kartenpartie auf dem Altartisch und dem Erschrecken der anderen Abenteurer in den Gewölben, als wir die lärmenden Feinde miemten.
- das Festbuffet
- der hinterhältige Raubüberfall auf einen Spieler. Irgendwie tut er mir ja leid, aber die Aktion war einfach zu schön.
- das viele und ausgiebige Glücksspiel an allen Tagen
- dass viel IT-Geld im Spiel den Besitzer wechselte. Ich habe selten soviel Geld im Umlauf auf einem Con gesehen.
- das Charakterspiel mit Abt Victor, das meine Gaunerin imens geprägt hat
- der moorländische "Zweikampf" mit anschließender Massenkeilerei
- das Spiel mit der Crew und Support um den Kapitän "Ohneschiff"zwinkern
- das ich endlich einmal ausgiebig Taschendiebstahl betreiben konnte. Danke an alle Beteiligten, dass ich meine Hände habe behalten dürfen.

Am Ende ein riesengroßes Danke an alle NSCs, Mitspieler und besonders die Orga für dieses unvergessliche Erlebnis. Ihr habt meine Zuckerbäckerin/Schurkin (und auch mich) sehr geprägt. Pandoria hat mich nicht das letzte Mal gesehen und ich bin gerne wieder dabei um die mutigen Helden mit Naschwerk zu versorgen!




Immer nach dem Motto: "Hört auf gewinnen zu wollen und fang an zu spielen."


Dieser Beitrag wurde 5 mal editiert, zuletzt von Marina am 01.01.2013 - 23:49.
Beitrag vom 01.01.2013 - 20:23
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